Internationaler Workshop am Forschungsbereich Stadt von project–mo.de: „Eine Stadt für alle“

Universal Design nimmt die spezifischen Fähigkeiten von Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Wahrnehmung zur Grundlage einer Stadtgestaltung, die auf eine bessere Nutzbarkeit, Lesbarkeit und Aufenthaltsqualität für alle abzielt. Der Workshop „Accessible Hubs – Internationales Symposium zum Universal Design in städtischen Mobilitätssystemen“, der 8. und 9. November 2018 am Forschungsbereich Stadt von project–mo.de stattfand, brachte 20 internationale Expertinnen und Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Architektur, Verkehrsplanung, Umweltpsychologie und Soziologie zu einem intensiven Workshop mit 70 Teilnehmenden aus der Region zusammen.

„Ziel war es neue Ideen und beispielhafte Projekte zu identifizieren, die den Fußgänger in den Mittelpunkt von Planungen zu Mobilitätsknoten zu stellen. Fokus war der Ansatz des Universellen Gestaltens – in dem die besonderen Anforderungen von Menschen mit Einschränkungen wie Rollstuhlfahrer, Seheingeschränkte oder Familien mit kleinen Kindern zum Ausgangspunkt von Stadtgestaltung nehmen – um Lösungen zu entwickeln, die für Alle einen Mehrwert bringen.“  Prof. Dr. Martin Knöll (Organisator und Leiter der Forschungsgruppe Urban Health Games)

Shared-Space-Konzepte

Der Amsterdamer Architekt Marten Wassmann vom Architektur- und Planungsbüro Benthem Crouwel stellte einen vergleichbaren Verkehrsknotenpunkt am Amsterdamer Hauptbahnhof vor, an dem sich Fußgängerströme und der Fahrradverkehr einer Fahrradschnellstraße kreuzen. Wassmann plädierte dafür, an solchen Stellen bewusst nicht zu designen, sondern dem Verkehr eine Plattform mit einem ebenen Bodenbelag zu geben. Seine Videos der Nutzung zeigen wie beide Verkehrsströme langsamer werden, Fußgänger und Radfahrer einander ausweichen, aneinander vorbeikommen und sich scheinbar selbst organisieren. Eingewendet wurde, dass dies sicher zu kleineren Unfällen führe und diese Situation für Menschen mit Seheinschränkungen unmöglich sei zu passieren. Oliver Schulze vom Kopenhagener Büro SchulzeplusGassov berichtete von einem ähnlichen Dilemma. Er plant nach einer „Faustregel“ wonach Shared-Space-Konzepte inklusive Autos nur funktionieren, wenn die Fußgänger im Verhältnis 4 zu 1 in der Überzahl seien.

„Obwohl das Shared-Space-Konzept schon lange etabliert ist, gibt es bisher wenig Forschungen, welche Erfahrungswerte und Faustregeln belegen können, über die Ursachen und Schwere der Unfälle Auskunft geben, oder Möglichkeiten aufzeigen, wie durch subtile Eingriffe eben auch Seheingeschränkte in solchen Konzepten zurecht kommen können.“ (Knöll)

Die Nutzer befragen

Im Workshop „Accessible Hubs“ wurden wissenschaftliche Methoden zur Forschung über Shared-Space-Konzepte diskutiert, beispielsweise mit der Hilfe von EEG-Sensoren zur Aufzeichnung von Gehirnströmen und Eyetracking. Knöll fordert, dass sehr viel mehr in so genannte Post-Occupancy-Erhebungen investiert wird, in denen Designer und Wissenschaftler kollaborieren, um nach der Umsetzung eines neuen Mobilitätsknotenpunktes zu erheben, was für die Nutzer funktioniert und was nicht. Stadtgestaltung und Wissenschaft können ohne einander den Prozess des Design for All nicht meistern. Im Workshop sind hierzu viele Anknüpfungspunkte angesprochen worden. Sie werden in Form von Videos und einer Veröffentlichung zugänglich gemacht werden.

Der Workshop wurde unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von project–mo.de, einem multidisziplinären LOEWE-Forschungscluster unter der Leitung der HfG Offenbach, das nachhaltige Mobilitätssysteme in der Rhein-Main-Region erforscht.